Mehr als Theorie

Interview mit Rainer Große-Kracht (Chief Technology Officer) und Volker Stamer (Direktor SCHAUFLER Academy)

Welches Hauptziel verfolgt BITZER mit dem neuen Schulungs- und Trainingszentrum?

Rainer Große-Kracht: Wie der Name schon sagt, bieten wir hier modernste Schulungs- und Trainingsmöglichkeiten für Planer, Kunden und Servicemitarbeiter an. Der Bedarf hierfür ist groß, denn die Kälte- und Klimatechnik steht wieder einmal vor großen Veränderungen und damit vor neuen Herausforderungen. Stichworte sind hier die F-Gase-Verordnung und die Ökodesignrichtlinie. Als Technologieführer sehen wir uns in der Pflicht, unseren Kunden neben innovativen Produkten die bestmögliche fachliche Unterstützung zu bieten. Durch unsere Fortbildungen möchten wir die Teilnehmer auf die Herausforderungen vorbereiten und den richtigen Umgang mit neuen Kältemitteln und Technologien vermitteln. Konkret bieten wir CO2-Trainings für subkritische und transkritische Anwendungen, Ammoniak-Trainings, Schulungen für umrichterbetriebene Verdichter sowie Kohlenwasserstofftrainings an, bei denen es in erster Linie um den Einsatz von Propan in Kälte- und Klimaanlagen geht.

Volker Stamer: Genau aus diesem Grund haben wir auch großen Wert auf ein praxisnahes Schulungskonzept gelegt. Wir können in der SCHAUFLER Academy nicht nur die theoretischen Vorteile unserer zukunftsweisenden Technologien aufzeigen, sondern ebenfalls moderne Verdichter und Elektronikkomponenten im laufenden Betrieb demonstrieren. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit, eine Schulung unter realen Systembedingungen zu simulieren. Jede Anlage und jede Anwendung hat ihre Eigenheiten, und diesen gilt es bestmöglich gerecht zu werden.

Lassen Sie uns auf die genannten Stichworte Umwälzungen und Herausforderungen eingehen. Welche sind das?

Rainer Große-Kracht: Der Ausstieg aus den bisher hauptsächlich verwendeten Kältemitteln mit hohem Treibhauspotenzial und die Erfüllung der Ökodesignrichtline mit steigenden Mindestenergie-
effizienzanforderungen verlangen ganz neue Anlagenkonzepte beziehungsweise die Weiterentwicklung bestehender Konzepte. Die F-Gase-Verordnung beispielsweise reduziert die Menge an verfügbaren Kältemitteln mit hohem Treibhauspotenzial (GWP) stark, teilweise kommt es sogar zu Verboten. Allein bis 2018 muss die Industrie die Menge der eingesetzten F-Gase um 37 Prozent verringern – die Berechnung erfolgt dabei auf Grundlage des GWP sowie der Kältemittelmenge. Zudem ist von 2020 an EU-weit der Einsatz des wichtigen Kältemittels R404A in vielen stationären Anlagen verboten. Wir entwickeln unsere Verdichter ständig weiter und machen sie fit für den Einsatz von neuen Kältemitteln. Gerade haben wir Kompakt-Schraubenverdichter der Baureihen CSH und CSW für HFO-Kältemittel freigegeben.

Was bedeutet dies konkret für Ihre Produkte?

Volker Stamer: Neue Kältemittel und ein damit verbundener komplexerer Systemaufbau stellen höhere Anforderungen an Anlagenplanung und Anlagenbau. Gut geschultes Personal ist die Grundvoraussetzung, damit Anwendern auch die neuen Technologien in gewohnt guter Qualität zur Verfügung stehen. Neben CO2 kommen zunehmend brennbare Kältemittel zum Einsatz, deren Verwendung strengen Sicherheitsvorgaben unterliegt. Hier wird künftig laufend Schulungsbedarf bestehen, um die jeweils gültigen Vorgaben richtig zu verstehen und anwenden zu können sowie um Unfälle bei der Anwendung von brennbaren Kältemitteln zu vermeiden. Zudem wird der Servicebedarf aufgrund der steigenden Zahl von installierten Anlagen mit diesen Kältemitteln zunehmen.

Rainer Große-Kracht: Die Anforderungen an die Mindestenergie-
effizienz aus der Ökodesignrichtlinie machen den Einsatz von mehr Elektronik in Kälteanlagen notwendig. Künftig geforderte Effizienzwerte lassen sich nur durch verbesserte Konzepte der Leistungsregelung von Verdichtern zum Beispiel mit Frequenzumrichtern erreichen. Für die korrekte Auslegung und Anwendung ist neben einem innovativen Produkt auch ein intensives Training unverzichtbar. Schulungen für das Servicepersonal tragen zum ordnungsgemäßen Gebrauch der Umrichter über die gesamte Lebensdauer bei. Auch hier bietet BITZER Produkte und Lösungen an und die SCHAUFLER Academy die entsprechenden Fortbildungen.

37 %

Um 37 Prozent
muss die Industrie die Menge der eingesetzten F-Gase bis 2018 reduzieren

nnadmin
Authornnadmin

Schreibe einen Kommentar